Freitag, 23. August 2013

Seelenbande: Das ist für die, die das erste Kapitel bereits gelesen haben und neugierig sind, wie es weiter geht. Aber Achtung Spoilergefahr!


2 (21.11.10) 27 / 17 MAUNA KEA (Arbeitstitel!)
Sie kam auf mich zu. In ihrer Hand hielt sie etwas, das aussah, wie eine zusammengerollte Zeitung. Julia kam immer näher und je näher sie kam, desto mehr wandelte sich der Gegenstand in ihrer Hand. Als sie vor mir stand war aus der Zeitung eine Reitgerte aus schwarzem Leder geworden. Ihr Arm hob sich, als holte sie zum Schlag aus …
»Nein!«, keuchte ich und saß zeitgleich senkrecht im Bett.
Bens Arm purzelte indes von meiner Brust auf meine Beine und nur Sekundenspäter sah er mich verschlafen an. »Du hast geträumt mein Herz. Es ist vorbei. Schlaf weiter … Es ist mitten in der Nacht«, murmelte er.
»Ja du hast recht«, sagte ich und legte mich erneut neben ihn. Doch ich konnte nicht einschlafen zu sehr war ich noch aufgewühlt. Seit Lanis Geburt wurde ich ständig von solch wirren Träumen geplagt, in denen Julia Write mir mit körperlicher Gewalt drohte. Mal waren es Peitschen, mal hielt sie mir Knebel und Handschellen entgegen und manchmal, wenn es ganz schlimm war, waren meine Augen durch ein Stück Stoff verschlossen und ich fühlte nur, wie sie mich mit irgendeinem Gegenstand taktierte.
Es war merkwürdig, denn im wahren Leben hatte sie mir nie mit Gewalt gedroht, sondern mich lediglich durch ihre Artikel alles andere als gut dastehen lassen. Bisher hatte ich nichts weiter dagegen unternommen. Es widersprach mir mich in einen Zickenkrieg mit Bens Verflossener involvieren zu lassen und so versuchte ich einfach Julias Berichtserstattung zu ignorieren.
Je länger diese Farce jedoch dauerte, desto mehr nagte es an mir, dass jemand, den ich eigentlich nicht kannte, mich so niedermachte. Jedes Mal, wenn ein neuer Artikel erschien, war ich den Tränen nahe und nun verfolgte sie mich auch schon in meinen Träumen.
Unruhig wälzte ich mich nun im Bett und fand doch nicht zurück in den Schlaf. »Verdammt!«, fluchte ich leise vor mir hin und stand auf. Vom Mondlicht angezogen ging ich hinaus auf den Balkon, um dem Meeresrauschen zu zuhören.
Seufzend lehnte ich mich auf das Geländer und ließ meinen Blick über die malerische Bucht schweifen. Das Wasser floss in stetigem Rhythmus an Land und wieder ins Meer zurück. Der Mond spiegelte sich indes auf der leicht rauen Oberfläche, bis er von einer schwarzen Wolke verdeckt wurde.
»Nicht schon wieder Regen«, flüsterte ich. »Davon hab ich hier schon genug gehabt.« Doch die Wolke ließ sich nicht so einfach vertreiben. Im Gegenteil, sie schien sich immer mehr aufzubauschen und verschlang den Mondschein immer mehr.
Ich seufzte: »Na gut dann sollte ich vielleicht mal einen Blick riskieren. Vielleicht sehe ich dann klarer.«
Zielstrebig ging ich in die Garage, fuhr den Ferrari 308 auf den Hof und schloss die Garage, so leise wie möglich, wieder von Innen. Dann stellte ich mich mitten in den Raum, hob meine linke Hand mit der Außenfläche in Richtung der schneeweißen, erst vor wenigen Tagen gestrichenen Wand und sagte: »Kilokilo.« Sofort schossen die Bilder aus dem nun blau leuchtenden Ring an die Wand:
Ich sah, wie Ben mit den Zwillingen im Schlepptau den Mauna Kea auf Skiern hinunterfuhr. Ich selbst stand am Gipfel des Berges und blickte hinab in das Tal. Plötzlich war mir, als ob der Boden unter mir nachgab …

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