Sonntag, 26. August 2012

Die Legende des Mana-loa

Achtung Spoiler! 
Der folgende Abschnitt wurde von mir neu verfasst und beinhaltet wertvolle Informationen, die nicht nur im Familienbande, sondern auch in Blutsbande eine wichtige Rolle spielen werden.


»Weißt du, wo der Mana-loa ist? Thomas hatte merkwürdigerweise ein Foto dabei, obwohl der Mana-loa seit zehn Jahren verschwunden ist.«
»Ich denke, er wird wieder auftauchen, wenn seine Zeit gekommen ist«, erwiderte Ben - sanft, aber bestimmend, schob er mich zur Tür hinaus.
Kaum in meinem Wagen angekommen, wagte ich es, ihn auf sein merkwürdiges Verhalten anzusprechen.
»Was ist der Mana-loa?«
»Ein Ring«, er nahm meinen Anhänger in die Hand. »Du trägst ein Abbild von ihm um deinen zarten Hals«, Ben räusperte sich. »Der Stein, in den Händen, symbolisiert die Seele eines Menschen. Übersetzt heißt Mana-loa, geheiligte Energie oder Kraft, man spricht auch von Lichtenergie. Die Kraft des Steins soll die heilige Kraft des Trägers verstärken und bündeln. Es heißt, die Leuchtkraft des Steins wird durchs Mana seines Trägers bestimmt. Also, je mehr übernatürliche heilige Kraft du in dir trägst, desto heller wird der Stein aufleuchten, doch nur, wenn, die Eine, die verloren scheint, sich selbst findet, wird er voll erstrahlen.
»Das hört sich ja merkwürdig an … Was bedeutet das?«, fragte ich ihn hochinteressiert.
Ben lächelte mich an »Es ist eine lange Geschichte … wir kommen vielleicht nicht rechtzeitig zum Mittagessen.«
»Macht nichts … erzähl sie mir«, bat ich ihn.
Sein Lächeln wurde zu einem breiten Grinsen, welches die Kerbe über seinem Mund nur noch deutlicher erscheinen ließ. »Nun, einer Legende zufolge soll sich unsere Urahnin Na-maka-o-Kaha 'i auf einer ihrer vielen Reisen, in einen sehr mächtigen Zauberer verliebt haben. Kurz nach ihrer Niederkunft, schmiedete der Magier diesen Ring und schloss in ihm, einen kleinen Teil seiner Macht und seines Wissen ein, und machte ihn seiner neugeborenen Tochter zum Geschenk.
Kurz darauf kehrte die Wassergöttin nach Hawai’i zurück, um ihr Kind mithilfe ihrer Schwestern der Vulkangöttin Pele und der Schneegöttin Poli´ahu in die Geheimnisse der Magie einzuweihen.
Doch je mehr Wissen sich das Kind aneignete, desto mehr verstärkte der Ring ihre Macht. Das brachte erneut Neid und Missgunst zwischen den Götterschwestern. Jede von ihnen wollte den Ring ihr Eigen nennen und so verwickelten sie sich in einem jahrzehntelangen Krieg, in dessen Verlauf sogar ein paar Inseln entstanden oder auch zerstört wurden.
Das Mädchen selbst war inzwischen zu einer jungen Frau herangereift, und als sie eines Tages von einem Rendezvous zurückkehrte, fand sie die Wassergöttin in einem Kampf mit ihren Schwestern vor.
Natürlich wollte sie ihrer Mutter zur Hilfe eilen, doch in diesem Wirrwarr von Wasser, Schnee und heißer Lava, wurde sie tödlich verletzt.
Na-maka-o-Kaha 'i sammelte ihre restlichen Kraftreserven und sprach einen Zauber aus, der dafür sorgte, dass die Seele des Kindes im Po, also der Welt zwischen der unseren und der unserer Ahnen verblieb. So wollte sie dafür sorgen, dass ihre Tochter eines Tages, mit ihr zusammen wieder zur Erde zurückkehren konnte. Doch ihre Macht reichte wohl nicht aus, denn ein Teil der Magie des Mädchens, ging auf dessen jungen Geliebten über.
Die Wassergöttin kroch mit letzter Lebenskraft ins Meer vor Noelani und hält seitdem einen tiefen Erholungsschlaf. Die anderen beiden Göttinnen bekämpften sich solange weiter, bis ihnen auch nur noch der Rückzug in einen tiefen Schlaf blieb.
Zurück blieben nur noch der leblose Körper der jungen Frau und ein verwirrter Mann, der um seine Geliebte weinte.«
»Oh Gott, was für eine schreckliche Geschichte … und das alles wegen eines Ringes?«, murmelte ich.
»Ja, und um zu verhindern, dass dies noch mal geschieht, sprach er, zusammen mit seiner ältesten Tochter, an die er die Magie seiner Geliebten vererbte, einen Zauber aus. Sie legten einen Bann über den Ring, der dafür sorgt, dass dessen volle Kraft sich erst entfaltet, wenn er und das Mädchen wieder im Diesseits vereint sind.
Kurz darauf nahm er jedoch aus Sehnsucht nach ihr das Leben und so wurde ihm der Weg in den höchsten Himmel verwehrt. Seine Seele landete im Po.«
Ich musste schallend lachen, weil sich dieser Satz sehr seltsam anhörte und Ben lachte kräftig mit, bis uns sogar die Tränen über die Wangen rollten.
»Und leuchtet er wirklich?«, fragte ich, um mich wieder unter Kontrolle zu bringen.
Sein Lachen ließ nach. »Nina, es ist nur eine alte Geschichte … eine Legende.«
»Schade … ich hätte ihn gern mal als Taschenlampe benutzt«, neckte ich ihn und verfiel gleich wieder in einen Lachanfall.
Ben jedoch griff nach meiner Haarlocke, die sich aus meinem Zopf befreit hatte, und strich sie hinter mein Ohr. »Sorry, die wurde nass«, sagte er laut, dann wandte er sich ab und flüsterte ganz leise: »Und so siehst du nicht ganz so verführerisch aus.«
Für einen Moment fühlte ich mich geschmeichelt, bevor ich jedoch etwas Passendes sagen konnte, ließ Ben den Motor an.
»Wir sollten zum Restaurant fahren, nicht, dass Tom doch noch einen Anfall kriegt.«
Meine Antwort bestand aus einem lautlosen Nicken.

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